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Reaktion auf Leserbrief im Kölner Stadt-Anzeiger

Am 09. Oktober veröffentlicht der Kölner Stadt-Anzeiger einen Leserbrief mit dem Titel "Eine einseitige Ausstellung". Autor Ahmad Shehab behauptet darin Sachen über die Ausstellung 1948, die nicht zutreffend sind. Wirklich schlimm daran ist, dass diese falschen Behauptungen der Redaktion bekannt gewesen sein müssten und selbst im Rahmen von Meinungsäußerungen in einem Leserbrief nicht hätten abgedruckt werden dürfen.


Hier die Reaktion unseres Projektleiters "1948", Dr. Oren Osterer:


Sehr geehrte Damen und Herren,

der Abdruck des Leserbriefes "Eine einseitige Ausstellung" über unsere Ausstellung "1948. Wie der Staat Israel entstand" am 09. Oktober 2020 lässt einige Frage bezüglich der Glaubwürdigkeit von Herrn Shehab - aber leider auch hinsichtlich Ihrer redaktionellen Arbeit aufkommen.

Herr Shehab behauptet, die Ausstellung würde nicht dem modernen Stand der Geschichtsschreibung entsprechen. Dass die Erstellung der Ausstellung von einer Jury begleitet wurde, der u.a. der weltweit führende Experte auf dem Gebiet der israelischen Staatsgründung, Prof. Benny Morris, angehörte, widerlegt diese Behauptung. Bei der Uraufführung der Ausstellung in München am 14. Mai 2018 sagte Morris wörtlich:

"The exhibition 1948 goes a long way to correcting some of the distortions of history embedded in the traditional Palestinian narrative regarding these events. Hopefully, it will show in other places in Germany, in German speaking

countries around, and elsewhere in Europe, and allow viewers to hear and see a contrary narrative, which I believe is far more truthful than that washing across Europe, via much of the media, at the moment."

Die Unterstellung von Herrn Shehab gipfelt im letzten Absatz, wo er behauptet, die Flucht und das Schicksal der palästinensischen Araber von 1948 würde in der Ausstellung gar nicht erst thematisiert. Die Wahrheit ist, dass die Ausstellung sich auf einer eigenen Tafel ausschließlich diesem Komplex widmet und auf einer weiteren Tafel auch das bis heute anhaltende Schicksal der Nachkommen dieser Menschen behandelt. Spätestens hier hätten Sie Ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachgehen müssen und diese Behauptung einer Untersuchung unterziehen müssen. Ihre Redakteurin, Frau Eckes (cc), kennt ja die Ausstellung.

Herr Shehab behauptet zu Anfang seines Leserbriefes, dass er Erfahrung mit der Ausstellung habe. Angesichts der Falschbehauptungen bleibt das Wesen seiner Erfahrung ein Geheimnis - die Ausstellung selber hat er sicherlich nicht gesehen. Das aber hätte auch Ihnen auffallen müssen. So wurden im Ergebnis einfach Unwahrheiten und Diffamierungen gegenüber gestandenen Historikern, Politologen und anderen Nahost- und Israel-Experten in Ihrer Zeitung verbreitet. Bei aller Meinungsfreiheit im Kontext von Leserbriefen, kann es nicht sein, dass Lügen einfach abgedruckt werden.

Für Ihre Information zum Hintergrund über die Geschehnisse in Tiberias/Hittin, auf die Herr Shehab abhebt:

Ende März 1948 hatten die Araber in Tiberias, die im Übrigen eine Minderheit darstellten (6.000 Juden, 4.000 Araber in Tiberias), mehreren irregulären syrischen Kämpfern - vermutlich unter der Führung eines deutschen Offiziers - Unterschlupf gewährt, obwohl zuvor eine Nichtangriffspakt mit der jüdischen Bevölkerung unterzeichnet wurde. Nun wurden von diesen Kämpfern vermehrt jüdische Ziele ins Visier genommen.

Anfang / Mitte April entschied sich die jüdische Verteidigungsorganisation "Hagana" dann dazu, die Situation in und um Tiberias anzugehen. Der Kampf um Tiberias dauerte rund 24 Stunden und war am 17. April entschieden. Die Briten als Mandatsmacht (nicht die Juden!) organisierten die Evakuierung der arabischen Bevölkerung am 18. April mit eigenen Lastwagen. Erog: es gab keine Vertreibung. In Folge dessen wurden die umliegenden arabischen Dörfer, zu denen auch das von Herrn Shehab erwähnt Hittin zählt, evakuiert. Auch hier: keine Vertreibung.

Somit reiht sich der Mythos einer Vertreibung aus Tiberias / Hittin nahtlos ein in das übergeordnete palästinensische Narrativ, welches ganz grundsätzlich und völlig ignoriert, dass die arabische Führung in Palästina und die arabischen Staaten den Krieg gegen die Juden und Israel vom Zaun brachen. Hätte die arabische Seite keinen Krieg begonnen, hätte kein Araber aus Palästina oder Israel fliehen müsssen.

Mit freundlichem Appell an eine Richtigstellung Ihrerseits

Dr. Oren Osterer

DEIN - Demokratie und Information e.V.

Projektleiter "1948"

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